Zombipilz greift auf Homo Sapiens über

Zombipilz greift auf Homo Sapiens über

Sie klettern auf exponierte Stellen, entblössen ihr Hinterteil und lassen ihren Blähungen freien Flug. Immer mehr Menschen legen diese zwanghafte Verhaltensweise an den Tag. High Moon nennen sie dieses Ritual, das zunächst als absurder, um Aufmerksamkeit haschender Trend abgetan wurde, ehe es zu einem globalen Phänomen in stark gentrifizierten Stadtgebieten wurde. Jetzt haben Wissenschaftlerinnen vom Awkland Institute for Awkward Studies (AIAS) herausgefunden was dahinter steckt. Der als “Zombipilz” bekannte parasitäre Fungus Ophiocordyceps Unilateralis greift auf den Menschen über. Endlich machen selbstgezüchtete Bio-Zucchini wirklich high. Stehen wir an der Schwelle des Fungozäns?

Dass Pilze die Gehirnchemie von anderen Lebewesen zum Zweck der eigenen Reproduktion manipulieren ist seit langem bekannt. Bislang kannte man dieses Phänomen jedoch nur bei Ameisen, wobei die Pilzsporen auf dem Exoskelett der Insekten keimen, um dann in deren Gehirn zu wandern. Dort beeinflussen sie das Verhalten der Tieres derart, dass diese an eine für das Wachstum des Pilzes vorteilhafte Stelle einer Pflanze klettern, sich dort festbeissen und sterben. Aus der toten Ameise wächst dann der Fruchtkörper des Pilzes …

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Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ophiocordyceps_unilateralis_group_346872.webp

Laut der neuen Studie des Teams um Dr. Wendy Weird vom Awkland Institute for Awkward Studies ist das weitverbreitete High Mooning  nichts anderes als die Übertragung dieser parasitären Reproduktionsstrategie auf den Menschen: Die Person nimmt über die Nahrung Sporen des Fungus Ophiocordyceps unilateralis in den Verdauungstrakt auf, von wo aus er beginnt die Gehirnchemie der Wirtin zu manipulieren. Die Person verspürt einen unstillbaren Drang auf eine exponierte, hochgelegene Stelle zu klettern. Meist handelt es sich um Baukräne, Aussichtsplattformen, Brücken oder dergleichen. Dort klammert sich die Person fest und beginnt hemmungslos in den Wind zu furzen, wobei die Pilzsporen Verbreitung  über ein weites Gebiet erfahren. Diese Handlungsweise ist vom Willen der Personen abgekoppelt und geschieht aus pilzinduziertem Zwang, der  jedoch laut Berichten von Betroffenen mit enormer Euphorie und Glücksgefühl einhergeht. Anders als bei den tropischen Ameisen verwendet der Pilz die Menschen bislang nur zur Verbreitung seiner Sporen nicht um den Fruchtkörper zu versorgen. Da das menschliche Sozialgefüge doch etwas komplexer als ein Ameisenstaat ist, wäre es phylogenetisch kontraproduktiv die Wirtinnen zu töten. Stattdessen steuert der Pilz durch Ausschüttung von Glückshormonen seine Wirtin mit biopsychischen Methoden. Laut Dr. Weird beweist der Fungus damit eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit. Eine Droge, die sich ihre Konsumentinnen selbst aussucht. Findet hier bewusst-strategisches Handeln statt oder ist das Pilzwesen seinerseits willensdeterminiert? Im Kontext des Verschwindens der tropischen Regenwälder und der enormen Verstädterung unseres Planeten hat sich der Pilz offensichtlich eine neue Strategie zugelegt. Das High Mooning kommt hauptsächlich in städtischen Gebieten mit grosser Dichte an Urban Gardening vor. Der eigentliche Pilz wächst also zwischen Bio-Tomaten, Zucchinis, Karotten und organischem Ruccola auf Balkonen, Terrassen und verhätschelten Kleinst-Grünanlagen und benutzt eine junge, gesunde und hedonistische Bevölkerungsschicht zur Verbreitung seiner Sporen. Angesichts der Tatsache, dass sich hier eine Lebensform eine andere unter Ausnutzung des Lustprinzips willfährig macht, stellt Dr. Weird die provokante Frage, ob wir unsere Stellung als Homo Sapiens im globalen Ökosystem nicht neu überdenken sollten. Vielleicht ist unser Selbstbild als “Krone der Schöpfung” nichts als ein anthropozentrisches Vorurteil und das von uns anmassend ausgerufene Anthropozän ist längst im Begriff ins Fungozän überzugehen?

Tireisias Munchausen