Vampir Bienen

Vampir Bienen

Staatenbildende Mosquitos? Blutsaugende Bienen? Oder eine Kreuzung aus beiden? Nur soviel ist sicher: Sie sind auf dem Vormarsch und im Begriff sich über ganz Eurasien auszubreiten. In unserer Serie über aktuelle evolutionäre Entwicklungen im Zeitalter des Anthropozäns berichtet FutureNews diesmal über die, nach ihrem erstmaligen Auftauchen in den rumänischen Karpaten benannten, Transilvanisierten Bienen (Apis sanguinifera dracula).

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Heute, wo die Nutzpflanzenbestäubung durchgehend von Makro-Drohnen bewerkstelligt wird, sind wir uns kaum noch der symbiotischen Beziehung bewusst, die wir über lange Zeit der Menschheitsgeschichte mit den Bienen hatten. Kaum vorstellbar, dass bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts weite Teile der Agrarwirtschaft auf die Arbeit von Insekten angewiesen war. Die Krise kam schleichend aber unaufhaltsam. Der intensive Einsatz von Pestiziden und Insektiziden im Kontext einer kontinuierlichen Klimaerwärmung machte der Jahrtausende währenden Beziehung Mensch-Biene den Garaus. Doch es gibt sie noch. Irgendwo da draussen haben die Bienen überlebt und sich an die neuen Verhältnisse angepasst. Die ersten Berichte über „seltsame Stechmücken“ tauchten unter Arbeitern in den rumänischen Palmölplantagen auf. Wenig später wurden auch die ungarischen Kaffeeplantagen von einer neuartigen Insektenplage heimgesucht. Betroffen waren aber nicht die Pflanzen, die ja Insektizide mittlerweile mittels designter DNA selbst produzieren, sondern auch hier die menschlichen Arbeiter, die über nächtliche Stechattacken klagten. Als dann auch die polnischen Kakaoanbaugebiete sowie die ukrainischen Bananen- und Mangofarmen betroffen waren, läuteten anscheinend auch in den höheren Etagen von Nestlé-Monsanto die Alarmglocken. Wie erst kürzlich bekannt wurde, entsandte der Konzern schon bald nach Aufkommen der neuen Insektenplage Dr. Joe-Nathan Harker von der Oxford-Nestlé Univerität in die rumänischen Karpaten, um eine Untersuchung durchzuführen. Dessen Dossier  Vampiristic mutations of apis mellifera in the Carpathian Mountains, in dem er bereits detailliert die bislang unbekannte Bienengattung Apis sanguinifera dracula beschreibt, verschwand jedoch in der Schublade. Was von seiner Arbeit dennoch an die Öffentlichkeit durchsickerte, wurde in einer offiziellen Stellungnahme von Nestlé-Monsanto als „folkloristische Schauermärchen vom Balkan“ bezeichnet. Parallel hatte jedoch der holländische Insektenforscher Professor Abraham van Gelsing seinerseits Studien angestellt. Seine Erkenntnisse decken sich weitestgehend mit denen von Harker: bei der neuen Bienensorte handelt es sich um mutierte Honigbienen, die vom Nektar- aufs Blutsammeln übergegangen sind. Ihre bevorzugte Blutquelle ist der Mensch. Van Gelsing erklärt das folgendermassen: Bienen brauchen Zucker! Durch den exzessiven Anbau von genmanipulierten Nutzpflanzen, wurden die Bienen weitestgehend von ihrer natürlichen Zuckerquelle, dem Blütennektar abgeschnitten. Woher also den Zucker nehmen? Mit dem schleichenden Rückgang von Blüten in freier Natur stieg gleichzeitig der Zuckerkonsum der Menschen kontinuierlich an. Es war also naheliegend, dass die Bienen sich den Zucker heute dort holen, wo er am häufigsten vorkommt: als Blutzucker im Menschen. Apis sanguinifera dracula hat sich perfekt an diese ökologische Situation angepasst. Der Stachel am Hinterleib der Honigbiene hat sich zu Gunsten von zwei zahnartigen Stacheln an den Mundwerkzeugen der Blutbiene zurückgebildet. Das Sehspektrum der Insektenaugen verschob sich vom ultravioletten in den infraroten Bereich, was es den Bienen ermöglicht, ihre Sammelaktivität in den Schutz nächtlicher Dunkelheit zu verlagern. Diese evolutionäre Strategie war derart erfolgreich, dass die Apis sanguinifera dracula im Begriff ist, sich von den Karpaten aus über den gesamten Kontinent auszubreiten. Wieder einmal hat das irdische Leben seine erstaunliche Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Doch nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt passt sich neuen Gegebenheiten an. Auch Nestlé-Monsanto hat mit etwas Verspätung auf die neue Situation reagiert. Kürzlich kündigten Konzernsprecher an, dass man sich im konzerneigenen Forschungszentrum im transilvanischen Schloss Bran intensiv einer Wiederbelebung der Imkerei widme, denn roter transilvanischer Honig sei zweifellos ein vielversprechendes Produkt im Sortiment von Nestlé-Monsanto. Entsprechende Patente habe man sich bereits gesichert.

Tireisias Munchausen