Problemjäger! mysteriöser Fall von Lykanthropie erschüttert Tirol
Problemjäger! mysteriöser Fall von Lykanthropie erschüttert Tirol
Die sommerliche Medien-Hysterie über gerissene Weidetiere auf Tirols Almen nimmt eine unerwartete Wende: der teuflische Problemwolf entpuppt sich als mit neuartigem Lykanthropie-Virus infizierter Jäger

[…] mitleidlos, da im augenblicke seiner taten ohne seele, phantastisch schlau, da ein mischding aus verständigem mensch und instinktgelenktem tier, unverwundbar nahezu, da unterm schutze des mondes und dessen dunkeler idole, so geht er, der were wolf, grünaugs, gesträubten fells und unheiliges im sinne, ins gäu. mensch und jäger, hüte dich, gib acht, sieh dich für! [H.C. Artmann: Tök ph´rong süleng oder notwendiger beitrag zur erlegung eines werwolfes. München 1967]
Wenn ein streunender Wolf unvorsichtigerweise grenzüberschreitend Tirol betritt und sogar das Queren einer Schnellstrasse überlebt, wird er mit höchster Wahrscheinlichkeit erschossen bzw. “entnommen” wie es das an Euphemismen so reiche Jägerlatein ausdrückt. Denn Jäger und Bauern sind sich einig: “Es geht nur das Eine: Unserem Vieh die Almen, dem Wolf die Wildnis!” (www.almohnewolf.at). Wildnis steht hier euphemistisch für die ewigen Jagdgründe, denn jene dem Wolf gnädig zugestandene Wildnis existiert in Tirol nicht. Bleibt nur die endgültige Ausrottung eines einst einheimischen Säugetiers in einem Land, wo es keinen Berg und kein Tal ohne wirtschaftliche Interessen gibt. Wo nicht Tourismus, Alm- oder Forstwirtschaft betrieben wird, befindet sich zumindest ein Jagdrevier für Millionäre. Und so gibt auch schon lange keine Wölfe, Bären oder Luchse mehr. Lästige Raubtiere wurden längst entnommen. Das Tötungsmonopol liegt beim Mensch, denn nur der kann in Form des grünberockten Weidmanns beurteilen was leben darf und was tot sein muss.
Als im Lauf dieses Sommers dennoch einige Schafe auf Tirols Almen offensichtlich von einem Raubtier gerissen wurden, war die Aufregung maßlos und der Täter unverzüglich ausgemacht: Da muss ein Isegrim das Queren der Autobahn überlebt haben und sich im Weidegebiet herumtreiben! Dass solch ein Problemwolf umgehend entnommen werden muss, stand außer Debatte. Die Jägerschaft kroch bereits mordlustig durchs Gehölz, als seltsame Befunde aus der Veterinärmedizinischen Univerität Wien ans Licht der Öffentlichkeit drangen. Umweltterroristen hatten Proben an den Bisswunden der gerissenen Schafe entnommen und übermittelt. Die DNA - Analysen waren jedoch “ambivalent”. Die isolierten Speichelproben konnten keiner bekannten Caniden-Art zugeordnet werden, vielmehr verwiesen bestimmte Abschnitte gar auf einen menschlichen Ursprung. Die Fachwelt tat diese Unstimmigkeiten umgehend als Verunreinigung bei schlampiger Entnahme ab. Einzig prof. carl j. w. handenoeck, fiktiver Charakter aus H.C. Artmanns 1967 erschienenem Schauerroman Tök ph´rong süleng oder notwendiger beitrag zur erlegung eines werwolfes wurde hellhörig. Als anerkannte Koryphäe der Lykanthropologie, jener von der konventionellen Veterinärmedizin schmählich vernachlässigten, ja mitunter belächelten Disziplin, beschloss er der Sache tiefer auf den Grund zu gehen. Seine langjährigen Beziehungen ermöglichten es ihm eines Teils der Probe habhaft zu werden, welche er umgehend einer eigenen Analyse unterzog. Sein dunkler Verdacht erhärtete sich, als er im Speichel des Beißers Spuren einer bislang unbeschriebenen Mutation des Rabies lyssavirus, gemeinhin auch Tollwutvirus genannt, nachweisen konnte! “tökph´rong!” entfuhr es dem stillen alten gelehrten “aber wie? und wer?” Es galt nun die Spuren menschlichen Erbguts mit diversen DNA-Datenbänken abzugleichen. Zum Glück bezahlen ja heute viele Leute gutes Geld dafür, dass ihre DNA in einer Datenbank landet.
Wenige Tage später fand mortimer grizzleywold de vere, seinerseits der Feder H.C. Artmanns entsprungen, folgendes kleines Dossier im Anhang eines Mails von seinem alten Freund und Kollegen handenoeck:
Alois Garou, Jäger und Tierpräparator aus Weer in Tirol, im Dorf allgemein als “Lou” oder auch “Jaga-Lou” bekannt, hat den Ruf eines der besten Tierpräparatoren im gesamten Tiroler Unterland. Kaum ein Haushalt in Weer, den nicht eines seiner liebevoll ausgestopften Murmeltiere, Eichhörnchen oder Wiesel ziert und nicht Wenige bringen ihre verstorbenen Hunde, Katzen und Meerschweinchen zum Jaga-Lou, um sich an deren kunstvoll präparierten Umrissen auch nach deren Ableben noch zu erfreuen. Einzig seinen französisch klingenden Nachnamen hat Lou Garou zeitlebens als Makel empfunden, war er doch schon in Kindheitstagen Quelle von Spott seitens seiner Kameraden, wenn sie ihn als Schneckenfresser oder Froschschenkelbeißer bezeichneten. Deshalb schickte er vor einigen Jahren eine Blutprobe an ancestry.com, um endgültig Aufschluss über seine Herkunft zu erhalten. Seitdem verkündet er stolz, dass er zwar französischstämmig sei, dass sein Urahn jedoch von den napoleonischen Truppen desertiert sei, um sich dem Aufstand der Tiroler anzuschliessen, da er ebenfalls gegen die Aufklärung, miederlose Weibsbilder und die Einführung der teuflischen Erd-Knolle aus dem heidnischen Übersee war. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Tierpräparator ist Lou Garou als Jäger für die Familie Swarovski tätig. Die Hersteller von Präzisionsoptik für Jagdwaffen, Panzer und andere Waffensysteme sind Pächter zahlreicher Jagdreviere in Tirol und so mancher Geschäftsabschluss wird mit Schnaps über dem Kadaver eines erlegten Hirschs oder Steinbocks begossen. Wer Hirsch und Bock gern killt, der will auch deren Kopf im Chalet hängen haben, und der Lou Garou ist die erste Adresse, wenn es ums Präparieren von Jagdtrophäen geht. So kann er neben der Freude am Töten, die sein Jägerjob mit sich bringt, noch zusätzlich so manchen Auftrag aus der illustren Runde internationaler Geschäftspartner lukrieren. Erst kürzlich soll ihm aus Kuala Lumpur ein prächtiges Exemplar eines Kalongs eines malaiischen Flughundes (petropus vampyrus) zur Präparation geschickt worden sein … (hier sei mir folgender Querverweis erlaubt: handenoek c.w. : lykanthropy as zoonotic viral disease: tracing rabies within chiropterae of southeast asia. international lykanthropic journal, Münster 2021)
alle wetter! entfährt es mortimer grizzleywold an dieser stelle, alle wetter, sollte es möglich sein …
… er trinkt den letzten Schluck Whiskey ex, tritt zum Waffenschrank, nimmt das Etui mit den silbernen Kugeln heraus und murmelt in seinen gezwirbelten Schnurrbart: Tirol also diesmal! alsdann …
Wie es weitergeht erfahren Sie in der neuen Serie Wolf vom Weerberg (Staffel 1) demnächst auf NETFLIX
Pressestimmen:
“Hilarious and spooky: The Piefke Sage meets TwinPeaks!” (New York Times)
“Eine schamlose Vernaderung unserer Heimat!” (Österreichische Bauernzeitung)
“Der Bergdoktor auf Gothic: als hätten Mary Shelley und Bram Stoker Urlaub in Tirol gemacht und Steven King erzählt ihnen eine Gute Nacht Geschichte!” (FAZ)
“Ein düsterer Blick auf die Abgründe hinter den touristischen Hochglanzkulissen” (derStandard)
“Verleumdung, Ruf- und Kreditschädigung: unsere Anwälte sind bereits eingeschaltet” (Presseaussendung der Fa. Swarovski)
Tireisias Münchhausen