Gottes Garten ist groß!

Gottes Garten ist groß!

Futurenews traf Ex-Vizekanzler und -Sportminister Hadschi (vormals HC) Strache zum Interview vor dessen Zelt auf der letzten Favoritener Gstettn zwischen Matzleinsdorfer Platz und Hauptbahnhof.

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Futurenews:

Salam aleikum

Hadschi Strache:

Wa aleikum as-Salam

FN:

Herr Strache in Ihrer aktiven Zeit als Politiker waren Sie als HC Strache bekannt. Heute nennen Sie sich Hadschi Strache. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern erläutern wie es zu diesem Namenswandel kam und was er bedeutet.

HS:

(lacht) HC ist bekanntlich die Abkürzung von Heinz Christian, was mein eigentlicher christlicher Taufname ist. Seit meiner Jugend haben mich meine Freunde aber HC genannt. Das ist eine angenehme Kurzform eines doch recht mühsam auszusprechenden Namens. Ein weiterer bekannter HC ist HC Artmann, der allerdings Hans Carl hiess. Am Ende meiner Zeit als Sportminister bekam ich dann von der Wiener Sportuniversität einen Ehrenprofessortitel verliehen - Prof. hc.  wobei hc für honoris causa - aus Gründen der Ehre -  steht. Ich war nun also Professor hc. HC Strache. Nach meiner Konvertierung zum Islam habe ich mir durch meine Pilgerfahrt nach Mekka - meinen Hadsch - das Recht auf den Namen Hadschi erworben. Somit lautet mein voller Name heute  Prof. hc. Hadschi HC Strache (lacht).

FN:

Sie galten einst als vehementer Kritiker des Islam. Man erinnere sich an Wahlplakate Ihrer Partei auf denen “Daham statt Islam” zu lesen war. Wie kam es zu ihrem Sinneswandel und wie beurteilen Sie ihre frühere Haltung aus heutiger Sicht?

HS:

Es wäre eine allzu grosse Anmassung mich mit Paulus zu vergleichen, aber im bescheidenen Maßstab meines sündhaften Menschseins ist mir vielleicht eine analoge Epiphanie zu Teil  geworden. So wurde HC zu Hadschi wie einst Saulus zu Paulus - Allahu Akbar! In meinem Fall war es die Lektüre des al-Qur'ān, die mein Leben von Grund auf verändert hat. Sie nannten mich eben einen Kritiker des Islam. Das ist wohl kaum korrekt, denn Kritik würde ja ein Wissen um die kritisierte Sache voraussetzen. In Wahrheit wusste ich aber wenig bis gar nichts über den Islam. Meine Absichten - Allah sei mein Richter - waren nie ausgrenzend - eher inkludierend. Jeder Mensch sehnt sich doch nach Identität, nach Zugehörigkeit, nach einem Wir. Ich komme aus einem deutschnationalen, wenn sie so wollen rechten Milieu, und es ist mir immer um die Bewahrung von Identität gegangen. Es bedurfte jedoch der Gnade Allahs, dass ich letztlich erkennen durfte, wie provinziell und kurzsichtig dieses auf Volk, Nation oder Sprache basierende Wir eigentlich ist. Sind wir doch alle Geschöpfe Allahs und somit Schwestern und Brüder. Ganz unabhängig von nachrangigen, relativen Kriterien wie Sprache, Kultur, Volk oder gar Rasse.

FN:

Wie sind sie mit dem Koran in Kontakt gekommen?

HS:

Vor einiger Zeit hat mir ein Wiener Imam während eines Wahlkampfauftritts in Favoriten eine deutsche Ausgabe geschenkt. Ich meinte damals, dass ich wohl kaum dazu käme das zu lesen, denn ich muss sagen, dass mir als aktiver Politiker nicht viel Zeit zum Lesen blieb, also abgesehen von Positionspapieren, Gesetzesentwürfen, Dossiers und dergleichen.  Er meinte damals: “Wenn Allah will, dass Sie ihn lesen, werden Sie ihn lesen.”  Diese fatalistische Anschauung hat mich ehrlich gesagt einigermassen beeindruckt. (lacht) Inschallah! Irgendwann begann ich dann wirklich in den Worten des Propheten - Sallā Llāhu ʿalaihi wa-sallam - zu lesen und habe seither nicht mehr aufgehört.

FN:

Was hat sie so fasziniert.

HS:

Nun als ehemaliger Freiheitlicher bin ich ein freiheitsliebender Mensch. Das Wort Islam ist ein Verbalsubstantiv zu dem arabischen Verb aslama („sich ergeben, sich hingeben“) bedeutet also Unterwerfung oder Hingabe. Ich will und werde mich niemandem unterwerfen, ausser dem, der mich und die ganze Welt erschaffen hat - Allah!  nun vielleicht braucht man eine gewisse Lebenserfahrung um das zu erkennen, aber diese Art der inneren Unterwerfung ist eine grosse Befreiung, denn sie schenkt dir Vertrauen und inneren Frieden und somit letztlich Freiheit.

FN:

Nun ist es aber eine etwas weniger spirituelle Deutung eines Begriffs wie “Unterwerfung”, die bestimmte Gruppen, die gerne behaupten den wahren, unverfälschten Islam zu vertreten, verwenden, um weltweit  äusserst aggressiv und mit Mitteln der Gewalt den Menschen eine autoritäre, patriarchale Lebensform aufzuzwingen.

HS:

Wer kann sich schon anmassen die einzig legitime Anschauung zu vertreten? Der Islam hatte eben nie diese zentrale Autorität, wie sie sich zum Beispiel im Katholizismus mit der Rolle des Papstes, in der Übernahme der  Hierarchien und Bürokratien des Römischen Reiches herausgebildet hat. Die ursprünglichen Christen waren ja ganz anders organisiert. Der Islam ist aber in gewisser Weise immun gegen diese eine, zentralistische Auslegung. Denn im Zentrum steht einzig der Koran wie er uns von Mohammed  - Gott segne ihn und schenke ihm Heil! - überliefert wurde. Der primitive, terroristische Dschihadismus wie ihn der IP (Islamic Planet, eine aus dem IS, Al Kaida und Boko Haram hervorgegangene, global agierende, dschihadistische Bewegung. Anm. der Red.) ist ja eine von unschwer zu durchschauenden Macht- und Rache- Gelüsten befeuerte Organisation, die sich den Islam als Pseudo-Legitimation umhängt. Man spricht ja nicht zu Unrecht von Islamismus statt von Islam. Der Islam wird hier für Eigeninteressen instrumentalisiert und das ist ohne jeden Zweifel ein Frevel gegenüber dem Wort Gottes! Und um den  al-Qur'ān so zu deuten, muss man schon sehr unredlich, sehr unanständig sein, um es mit den Worten Michel Houellebecqs zu sagen. (lacht)

FN:

Wie ist ihr Verhältnis zu anderen Religionen?

HS:

Wir Muslime anerkennen und respektieren die “Besitzer der Schriften”, wie wir Juden und Christen nennen. Deren Propheten sind auch unsere Propheten also zum Beispiel Moses oder Jesus, den wir Isa ibn Maryam also Jesus Sohn der Maria nennen. Er wird als Gesalbter, als Gesandter und als Prophet anerkannt aber er ist nicht der Sohn Gottes. Es kommt ihm kein gottgleicher Status zu. Mohammed  - Gott segne ihn und schenke ihm Heil! - übrigens auch nicht. Er wird als Prophet geehrt aber nicht als Gott angebetet. Ich möchte aber daran erinnern, dass die Wesensgleichheit Gott/Jesus auch im frühen Christentum nicht unumstritten war. Der sogenannte Arianismus, benannt nach dem Theologen Arius zum Beispiel, lehnte das mit dem Argument das Widerspreche dem Monotheismus ab. Erst 381 nach Christus wurde im Rahmen des Nicäno - Konstantinopolitanum die Dreifaltigkeitslehre zum Dogma erhoben. Es gibt also ohne Zweifel theologische Unterschiede zwischen den abrahamitischen Religionen. Es gibt aber vor allem auch eine lange Tradition gegenseitigen Respekts und friedlicher Koexistenz. Juden zum Beispiel werden im Koran als dhimmi - Schutzbefohlene - bezeichnet. Im 15. Jh. flohen die sephardischen Juden im Zuge der Reconquista Spaniens ins viel tolerantere Osmanische Reich. Später kamen noch aschkenasischen Flüchtlinge aus Osteuropa dazu. Im Osmanischen Reich lebten damals an die 400000 Juden. Viele von ihnen waren wegen ihrem medizinischen und technischen Wissen und wegen ihren Handelskontakten hoch geschätzt und willkommen. Ohne die Unterschiede zu negieren und die historischen Konflikte zu bagatellisieren, glaube ich dennoch, dass wir an der Wurzel also radikal (haha) verbunden sind und ein friedliches Zusammenleben ist ohne Zweifel möglich und sicher im Sinne des einen Gottes, den wir gemeinsam verehren.

FN:

Wie aber stehen sie zu polytheistischen Religionen wie z.B. dem Hinduismus?

HS:

Wiederum kann Wissen um die Geschichte unsere Einschätzung vor kurzsichtigen Vorurteilen bewahren. Ich möchte an die blühende Zeit der Mogul-Kaiser in Indien erinnern. Der Islam hat den Hinduismus entscheidend mitgeprägt. Ich möchte zum Beispiel auf die Bhakti-Bewegung, also den Erlösungsweg der Frömmigkeit, der liebenden Zuwendung zu Gott, der Unterwerfung unter Gott - also Islam - verweisen.  Diese wichtige Strömung im Hinduismus erfuhr nicht zuletzt im Kontakt mit den Muslimen, die per definitionem Bhaktis sind, eine Hochblüte. Bei etwas genauerem Hinsehen werden Sie auch erkennen, dass der Hinduismus nicht eigentlich polytheistisch ist. Der einzelne Gläubige verehrt nur einen Gott - Ishvara. Die einen nennen ihn Siva die anderen Visnu. Der Ishvara ist der persönliche Gott mit Eigenschaften, die es dem Gläubigen ermöglichen sollen, sich diesem Gott zuzuwenden. Es besteht im Hinduismus aber auch kein Zweifel, dass auf einer höheren oder intensiveren Stufe der Erkenntnis Gott alle vom Menschen zugeschriebenen Attribute transzendiert. Über allem steht auch im Hinduismus das ewige, alles durchdringende, eigenschaftslose brahman. Und was ist brahman anderes als Allah?

FN:

Wenn man Ihnen zuhört glaubt man fast es gebe letztlich gar keine grossen Unterschiede zwischen den Religionen.

HS:

(lacht) Gottes Garten ist groß! Natürlich gibt es Unterschiede. Jedes Lebewesen ist einzigartig. Wir können die Unterschiede nicht leugnen. Doch es gibt einen gemeinsamen Nenner, der uns mit allem verbindet. Alles wurde von Gott geschaffen. So finden wir Gemeinsamkeit einzig in der Hinwendung auf den Ursprung - auf Allah!

FN:

Stehen sie für einen europäischen Islam?

HS:

Es gibt keinen europäischen Islam, genauso wie es keinen amerikanischen, afrikanischen oder arabischen Islam gibt oder geben kann. Es gibt nur einen Islam und der ist universell und über jegliche adjektivische Relativierung erhaben. Der IP (Islamic Planet, Anm. der Red.) zum Beispiel verficht ja einen stark politisch und kulturell geprägten Islamismus, der in seiner Verstricktheit in historische Entwicklungen, getrieben von Rachefantasien für erlittene Abwertungen und seine beschränkte Fokusierung auf einen falsch verstandenen Dschihad-Begriff die Erhabenheit, Vielfalt  und Schönheit der Schöpfung aus dem Blick verloren hat. Ein islamischer Planet ist nichts als ein winziges Staubkorn in der Gesamtheit von Allahs gewaltigem Werk. Ich kämpfe nicht für den IP, denn ich glaube an das IU - das Islamic Universe! Und das bedarf nicht meines Kampfes, denn es war immer, ist und wird immer bestehen - Allahu Akbar! Mein Dschihad  ist die Anstrengung, das Bemühen, der Kampf um die Erlangung und den Erhalt dieser Erkenntnis.

FN:

Danke für das Gespräch.

HS:

Ma'assalam!


Tireisias Munchausen